echo


© Thomas Mikusz Emil Gampe
LIFECHANGE im Gespräch mit dem Designer Emil Gampe

Geboren in Linz näht Emil Gampe sein erstes Kleidungsstück im zarten Alter von fünf Jahren unter der Anleitung seiner Großmütter, beides leidenschaftliche Schneidermeisterinnen. Mit dem Abschluss als Textilingenieur und Modedesigner in der Tasche arbeitet er in Wien als Textildesigner und in London als Designmanager. Einige Jahre später erfüllt er sich seinen größten Traum und zieht in die USA, wo er mit seinem eigenen Label EMILcouture auch in Hollywood durchstartet.  

Ein Gespräch über Veränderungen im Leben … den persönlichen “Lifechange”. 

Ein kurzer Abriss über Ihr „früheres“ Leben, was haben Sie vor Ihrem „Lifechange“ gemacht? 
In meinem früheren Berufsleben habe ich in Wien eine Ausbildung zum Textilingenieur absolviert. Anschließend habe ich in international tätigen Unternehmen als Leiter der Forschung Textilien entwickelt. Mein Job war vorwiegend “technisch” und hatte wenig Raum für Kreativität. Trotz der Erfolge in diesem Karriereabschnitt war mir schon damals klar, dass ich eigentlich etwas anderes machen möchte. Einen Beruf, der meiner Berufung folgt… 

Was ist passiert? Wie kam es  zu Ihrem „Lifechange“?  

Zum “Lifechange” kam es für mich mit Anfang 30. Damals haben sich fast zeitgleich auf mehreren Ebenen meines Lebens – beruflich und privat – Veränderungen ergeben. Diese Veränderungen und Abschlüsse haben mir den Freiraum gegeben, neu zu beginnen. 
Was hat Sie in dieser Zeit bewegt? Wussten Sie es mit einem Mal ganz genau, was jetzt zu tun ist oder hat sich Ihr “Lifechange” langsam entwickelt? 

Herauszufinden, was für mich im folgenden Lebensabschnitt wichtig ist, war ein Prozess, der rund sechs Monate gedauert hat. Etliche Gespräche mit Familie und Freunden; zusätzlich viel Selbstreflektion. Die Begegnung mit dem “inneren Kind” und den “inneren Dämonen”, meinen Erwartungen und Träumen. Und dann war alles plötzlich klar: Auf Basis meines Kindheitstraumes hat sich die Essenz für meinen künftigen Weg formuliert: “Mode!”. 

So wie vielleicht viele andere auch, hatte ich meinen Lebenstraum vor Jahren begraben. Er schien wie ein unrealistisches, unerreichbares Ziel (die anderen sind schließlich auch nicht alle Feuerwehrmänner, Präsidenten oder Astronauten geworden…). Ich wollte schon mit 12 Jahren Modedesigner werden. Anfang 30 habe ich dann endlich mit der Umsetzung dieses Traumes begonnen. 

© EMILcouture – “PHOENIX RISING” Kollektion
In Folge bin ich nach London gezogen, habe dort Mode studiert und als Designer gearbeitet. Später war ich als Designkonsulent in New York tätig und habe schließlich meine eigene Linie EMILcouture (www.EMILcouture.com) in Los Angeles gegründet. 

Erfolg in Hollywood war das Ziel – und dann ist es passiert: Meine Roben wurden bei den Oscars, Emmys, Grammys, Golden Globes und zu vielen anderen Red Carpet Events getragen. Auch bei Filmpremieren und Fernsehshows, sowie in zahlreichen Magazinen ist EMILcouture vertreten. Ein Traum wurde Wirklichkeit! 

Heute, 12 Jahre später, hat mein Leben kaum mehr etwas mit dem Leben zu tun, das ich vor dem “Lifechange” kannte. 

© EMILcouture – “MEMOIRES” Kollektion
Wie sind Sie mit dem Risiko umgegangen, das ja schließlich immer dabei ist, wenn man sein Leben komplett umstellt? 

“Think big! Take risks! Make the impossible possible!” – Wie viele andere habe auch ich diese Sprüche oft gehört. Es ist allerdings etwas ganz anderes, danach auch zu handeln… 

Ich musste lernen “Nein” zu sagen, auch wenn es schwer fiel. Herausforderungen anzunehmen, auch wenn der Erfolg vorerst unmöglich schien. Aufzustehen, auch wenn ich immer wieder am Boden lag. Kurz gesagt: Lernen für den eigenen Traum zu kämpfen. 

Ich bin viele Risiken eingegangen und mache das auch heute noch. Zusätzlichen Nervenkitzel brauche ich allerdings keinen. Vielleicht war ich deshalb noch nie Bungee Jumping… 

Was genau hat Ihnen Ihr “Lifechange” ermöglicht? Wie sieht Ihr Leben heute aus? 

Mein “Lifechange” folgte der Definition eines Zieles: Ein für Abendmode anerkannter Modedesigner zu werden. 
Dieses Ziel war hoch gesteckt, anfangs wusste ich gar nicht, wo ich beginnen soll. In der Folge musste ich auch manchmal kurzfristig die Richtung wechseln oder einen Umweg machen, zeitgleich aber mein Ziel im Auge behalten. Heute kann ich ganz vereinfacht sagen, dass ich das gemacht habe, was ich machen sollte. Das ist meine Form des Glücklichseins. 

In Zukunft wird es darum gehen, die Gültigkeit meiner Ziele zu überdenken und falls nötig natürlich auch zu ändern. Es ist ja durchaus möglich, dass irgendwann ein weiterer “Lifechange” notwendig wird… 
Wenn Sie heute Rückschau halten, was sehen Sie positiv am “Lifechange” und was negativ? 

Positiv und Negativ ist für mich eine Frage des Blickwinkels. Ich habe ursprünglich gedacht, dass mein Leben einfacher wird, wenn ich meinem Traum folge. In gewisser Weise war das Gegenteil der Fall. Aber auch wenn mein Leben manchmal schwierig oder kompliziert erscheint, ist es doch der Mühe wert. 

Wir alle wollen auf die eine oder andere Weise auf ein erfülltes Leben zurückblicken. Für mich bedeutet das, meinen Träumen gefolgt zu sein. Und genau das habe ich nach meinem “Lifechange” gemacht. 

Welche Gedanken und Gefühle sehen Sie als Auslöser eines “Lifechanges” und was würden Sie Menschen raten, wenn derartige Gedanken und Gefühle auftauchen? 

Ich war mit meinem Leben vor dem “Lifechange” nicht unzufrieden. Allerdings hatte ich oft das Gefühl, noch etwas anderes machen zu müssen. Meine Träume wollten meine Aufmerksamkeit gewinnen und ich habe diese in der Vergangenheit oft zu wenig beachtet. 

© EMILcouture – “GOLDEN AGE” Kollektion
Heute rate ich jedem hinzuhören wenn Gedanken oder Gefühle auftauchen, die in eine andere Richtung weisen. Und wenn es wichtig ist, die Dinge auch zu ändern. Die aktive Berücksichtigung meiner Träume hat neben anderen Dingen meinem Leben erst den Sinn gegeben. 

Wer hat Sie inspiriert? Gibt/gab es spezielle Vorbilder? 

Viele Jahre vor meinem “Lifechange” habe ich ein pensioniertes Ehepaar mit einem unkonventionellen Leben kennengelernt. Der Ehemann war Spezialist für Brückenbau. Sein ungewöhnlicher Job hat ihm viel Freude bereitet und brachte die beiden in alle Kontinente der Erde. Sie haben in dieser Zeit viel erlebt, unter anderem auch eine Familie gegründet. 

© EMILcouture – “EXOTICA” Kollektion

Sicher ist das nicht jedermanns Sache, zumal klar ist, dass so ein Leben wahrscheinlich nicht ganz ohne Schwierigkeiten abläuft. Aber hier ist der Punkt: Die beiden waren sichtlich glücklich, hatten den Glanz eines erfüllten Lebens in den Augen. Damals wurde mir klar, dass Glück viele Gesichter hat und dass es an der Zeit ist, meinen eigenen Weg zu finden. 

In meiner Familie war es seit jeher meine Mutter, die instinktiv wusste, dass ich mein Glück nur finde, wenn ich die für mich richtigen Ziele verfolge. In meiner Entwicklung als Kind und Jugendlicher, aber auch heute als Erwachsener ist sie die Frau, die mich am meisten motiviert hat, meinen Träumen zu folgen. Ohne ihre Hilfe wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Sie hat auch meinen “Lifechange” voll unterstützt. 

Gibt es etwas, das Sie anders machen würden, wenn Sie die Gelegenheit dazu hätten? 

Ich würde heute nicht mehr so viel Zeit und Energie mit Dingen verbringen, die für mich keine Bedeutung haben. Der Spruch: “Es ist nie zu spät!” hat für mich nur beschränkt Gültigkeit. Wir alle haben nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung, um das zu tun, was für uns wichtig ist. Und einmal ist es dafür ganz einfach zu spät. Mein Rat daher: “Don’t wait!”
Welche Tipps würden Sie jemandem geben, der mit seinem Leben unzufrieden ist bzw. sich die Frage stellt „Das kann doch nicht alles gewesen sein?!“? 

Meiner Meinung nach sind unglückliche oder unzufriedene Menschen meist nicht auf dem richtigen Weg. Sie haben ihre Träume vergessen oder haben diese nicht in ihr Leben eingebunden. Ich glaube, dass wir im Inneren alle wissen, was gut und richtig für uns ist. Meist schon als Kind. Ein guter Gesprächspartner ist gut im Zuhören. Sich selbst zuzuhören, wenn es um persönliche Lebensträume geht, ist ein erster Ansatz und oft die Einleitung eines “Lifechanges”. 

“Lifechange” bedeutet für mich den Mut zu haben, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Ich hoffe in diesem Bezug ein Vorbild zu sein … und zu bleiben!